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Kirche St.Laurentius

 

Führung durch die Kirche Pfarrkirche St.Laurentius Nußloch

Beim Eintreten durch das gewölbte Untergeschoss des Turmes ist der Besucher zunächst überrascht über die außergewöhnlichen Ausmaße der Kirche.

 

Der Hochaltar, die beiden Seitenaltäre mit Kanzel und Kommunionbank zeugen von einem Gesamtstil in ihrer Ausführung und sind somit ein Meisterwerk der Firma Warth, Atelier für Bildhauer und kunstgewerbliche Architektur, vormals Marmon aus Sigmaringen. Eine Firma die im 18., 19. Und zu Beginn des 20. Jahrhunderts weit über den süddeutschen Raum bekannt war. Der Auftrag zur Herstellung, Lieferung und Einbau wurde 1895 vom Erzbischöflichen Bauamt Heidelberg, im Einvernehmen mit der Kirchengemeinde St. Laurentius Nußloch, vertreten durch den damaligen Pfarrer und Dekan Friedrich Pfister und dem Stiftungsrat erteilt.

Über vier Stufen steigt der elegant geschwungene Altartisch auf, der vom Hohen Tabernakelaufbau bekrönt wird. Darüber das Hauptaltarblatt, das Abendmahl. Ganz oben der hl. Laurentius mit dem Eisenrost umgeben von Engeln.

Die Abendmahlszene dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit Ende des 18. Jahrhunderts in die Kirche gekommen sein, näheres über die Anschaffung ist nicht festzustellen. Man weiß nur, dass bei der Herstellung des Altars das vorhandene Bild mit einbezogen wurde.

Umgeben wird der Hochaltar von den vier Evangelisten, Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

Der linke Seitenaltar ist der Muttergottes geweiht. Der rechte Seitenaltar stellt die Kreuzigungsgruppe dar. Zwischen dem Hochaltar und dem Kreuzaltar befindet sich das Taufbecken. Der Zelebrationsaltar und Ambo mit Sedilien nach Entwürfen des Bildhauers, Fridolin Lehr wurden 1988 bei der letzten Kirchenrenovierung eingebaut.

Die beiden Bilder im Langhaus sind dem Leben des Kirchenpatrons, den hl. Laurentius gewidmet. Laurentius war Finanzverwalter des Papstes Sixtus II. der anfangs 258 von den Römern festgenommen und hingerichtet wurde. Vor seinem Tod noch hatte er seinem Schatzmeister Laurentius befohlen, das Kirchenvermögen unter die Armen zu verteilen, um es vor dem Zugriff des Kaisers zu schützen. Kaiser Valerian ließ Laurentius vor Gericht bringen und verlangte das Kirchengut. Der Diakon konnte ihm jedoch nur die Armen, Witwen und Kranken vorführen, die er Gottes Schätze nannte, kostbarer als Gold und Perlen.

Diese Szene, die Vorstellung der Armen durch den hl. Laurentius, zeigt das hintere Bild im Langhaus. Das ruhige und ausgewogene Bild schildert keineswegs einen dramatischen Vorgang, den man sich hier erwarten würde. Der Heilige steht vor dem Satthalter, der von seinen Dienern umgeben ist. Neben Laurentius sehen wir im Vordergrund eine Gruppe von armen Leuten, auf die Laurentius mit seiner ausgetreckten Hand hinweist.

Das vordere Bild im Langhaus stellt den Tod des Laurentius dar. Da er den Kirchenschatz nicht herausgibt, wird der Heilige zum Tode gemartert. Dies geschah am 10. August 258 in Rom. Die Legenda surea erzählt: „Also zogen die Knechte ihn aus und legten ihn auf einen eisernen Rost und taten darunter glühende Kohlen; sie drückten ihn mit eisernen Gabeln auf den Rost“.

Wir sehen, wie Laurentius von zwei Gehilfen des Statthalters auf den eiserenen Rost gelegt wird. Rechts daneben kommt der Statthalter auf einem 2 Spänner, um dem Geschehen beizuwohnen. Vom Himmel herab schweben zwei Engel mit der Märtyerpalme, bereit, die Seele des Heiligen zu Gott zu führen. Ganz oben sehen wir wie Christus der Auferstandene mit dem Kreuz in der Hand ihn, den hl. Laurentius aufnimmt.

Neben den beiden Bildern die den Tod des hl. Laurentius zeigen, finden wir rechts Christus mit den beiden Emausjüngern, wie sie ihn beim Brotbrechen erkennen. Link die Fußwaschung Jesus, durch Maria Magdalena. Im Chorraum Papst Sixtus II. reicht Laurentius die Hostie, eine Szene die sich sicher unmittelbar vor der Verhaftung des Papstes ereignete. Hinter der Orgel findet sich noch ein Fresko der hl. Cäcilia von 1756.

Im Langhaus befindet sich rechts das Herz-Jesu – der gute Hirt – und links auf gleicher Höhe der hl. Josef. Beides sind Stiftungen von Familien aus der Pfarrgemeinde. Im hinteren Teil halb hoch der Erzengel Michael, der Ortspatron dessen Fest in den früheren Jahrzehnten in der Gemeinde ganz groß gefeiert wurde.

Unter der Empore an der Rückwand der hl. Antonius und seitlich gegenüber dem Haupteingang, ist noch auf das bedeutende Bildwerk einer Pieta hinzuweisen. Die Herkunft dieser Figurengruppe ist nicht geklärt. Auf der unterhalb angebrachten rechteckigen Tafel waren die Gefallenen vom 1870/71 Krieg aufgezeichnet, die Namen hat man jedoch bei der Renovierung nach dem 2. Weltkrieg überstrichen.

Diese sehr qualitätsvolle Pieta kann man auf die Zeit um 1756 einstufen, als die Kirche neuerbaut wurde.

Auf dem Nazarener Kreuzweg mit seinen eindrucksvollen Bildern der sich großartig in das Gesamtbild der Kirche einfügt und dem Innenraum eine besondere Note gibt, sei ebenfalls hingewiesen.

Vor dem Verlassen der Kirche sollte man noch einen Blick auf die Orgel werfen. Anläßlich der letzten Kirchenrenovierung wurde man sich klar: Das alte Instrument von 1877 entsprach nicht mehr den Erfordernissen des Gottesdienstes. Die Gemeinde einigte sich mit der Orgelbaufirma Karl Göckel, Mühlhausen-Rettigheim bei Wiesloch über die Lieferung eines 27 Register umfassenden Werkes unter Beibehaltung vom vorhandene Prospekt (der Fa. Vogt und Söhne aus Durlach 1877) da gerade dieses Orgelgehäuse dem Gesamtinnenraum der Kirche seine besondere Note verleiht.

Bedauerlich ist, dass die bunten in Blei eingefassten Kirchenfenster bei der Renovierung 1965 durch das Abstrahlen der Fenstergewänder stark beschädigt wurden und durch einfaches Fensterglas ersetzt wurden. Dem so schmucken Gotteshaus hat dies zweifellos geschadet.
 
Zusammenstellung und geschichtliche Bearbeitung: Alois Goehler, Nußloch
 
 
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