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Die Pfarrgemeinde wächst 1904-1960

Auf Pfarrverweser Wilhelm Frei, »der es mit seinem Humor verstand, manche Woge zu glätten«[11], folgte schon ein Jahr später Pfarrer Karl Wittemann (1909-1920). Er muß ein strenger Pfarrer gewesen sein, denn von seiner »Christenlehrdisziplin« sprach man noch lange danach.
 
Im Krieg rief nur eine Glocke zum Gebet und zu den Gottesdiensten, drei mußten für Kriegszwecke abgegeben werden. Im vorletzten Kriegsjahr wurde der Mütterverein gegründet. Obwohl die Katholikenzahl auf über 1100 angestiegen war, wurde der Antrag des Pfarrers auf Einführung einer Frühmesse abgelehnt. Eine neue Orgel mit 10 Registern wurde in Auftrag gegeben. Trotz der großen Not nach dem verlorenen Weltkrieg brachte man das Geld auf. Unter Pfarrer Jakob Simon (1920-1929) konnte sie, um 2 Register erweitert, 1921 feierlich eingeweiht werden. Die verbliebene Glocke wurde ein Jahr später umgegossen und das Geläut durch zwei weitere Glocken ergänzt (fis-ais-cis).
 
Was geschah noch? Lassen wir das Dr. Wilhelm Rausch († 1978) erzählen, der fast 60 Jahre Dirigent des Kirchenchors war: »Der Kindergarten wurde durch einen Vorbau erweitert, um ihn der damaligen Bevölkerungssituation anzupassen, und eine neue Weihnachtskrippe wurde angeschafft. Zu erwähnen wären auch die frohen Zusammenkünfte am Nachmittag des Fronleichnamstages, die gesanglich und musikalisch umrahmt wurden. Man muß sich heute vergegenwärtigen, daß es damals noch keinen Rundfunk, kein Fernsehen, keine Musikbox, kein Kino mit ihrer ständigen Berieselung durch allerlei Eindrücke gab und die Leute für eine solche Abwechslung zum Berufsalltag dankbar waren.«[12]
 
Zur Seelsorge schreibt der ehemalige Militärpfarrer: »Die Pastoration ist infolge des Wesens des Pfälzers äußerst schwierig und stellt an die Geduld und Klugheit des Seelsorgers die größten Anforderungen.« (Am Rande sei noch bemerkt, daß in dem gleichen Bericht nach Freiburg der kath. Turnerbund Germania mit 60 Mitgliedern erwähnt ist.) Auf Pfarrer Simon folgte Pfarrer Theodor Böser. Geboren 1892 in Ludwigshafen, wurde er 1914 zum Priester geweiht. Nach Kaplansjahren in Meersburg und Pforzheim war er Präfekt am Erzbischöflichen Gymnasialkonvikt in Tauberbischofsheim und von 1921 bis 1929 Geistlicher Lehrer in Sasbach. Bis 1956 war er 27 Jahre lang Seelsorger in Sandhausen, um dann noch einmal 7 Jahre als Gymnasiallehrer in Heidelberg tätig zu sein. Im Januar 1963 fand er in Sandhausen seine letzte Ruhestätte, die noch heute eine der Stationen bei der Gräberprozession am Allerheiligentag ist.
 
Der Chronist kann aus dieser bis jetzt längsten Zeit eines Pfarrers in Sandhausen nur Einiges herausgreifen. Die Zahl der Katholiken betrug über 1200, die Versetzung der Kanzel brachte in der zu kleinen Kirche nur wenige zusätzlich Plätze. Deshalb wurde die Gottesdienstordnung an Sonntagen geändert. Zusätzlich war um 7 Uhr Frühmesse, um 9 Uhr dann der Hauptgottesdienst, um 13 Uhr Christenlehre und um 13.30 Uhr Andacht, die ab und zu auch abends stattfand. Eine Art Pfarrfamilienheim war der Saal des »Pfälzer Hofs«. Dort versammelte man sich auch oder spielte Theater.
 
1933 wurde durch Stiftung von Hauptlehrerin Uihlein ihre Scheuer beim Pfarrhaus in einen Saal umgebaut mit Bühne, 100 Sitzplätzen und etwa 50 Stehplätzen. Das war nun »St. Wolfgang«, der Pfarrsaal der Gemeinde über viele, viele Jahre. Wie Pfarrer Böser 1938 über das Leben in der Gemeinde schreibt, waren trotz »Gleichschaltung« kirchenfeindliche Bestrebungen kaum merklich, dafür war aber der Gegensatz zwischen Katholiken und Protestanten noch recht stark. Eine große Schwierigkeit für die religiöse Kindererziehung sah er darin, daß die Mütter beinahe restlos in den Fabriken arbeiteten. Hausbesuche waren so auch kaum möglich.
 
1940 feierte der erste Sandhäuser Neupriester, Walter Trotter, seine Primiz. Die Feier war nicht einfach, weil von der NSDAP aller Straßenschmuck und alles Religiöse in der Öffentlichkeit verboten war. Da man sich nicht daran hielt, wurde nachträglich eine Strafe ausgesprochen. Leider wurde Walter Trotter 1944 ein Opfer des Krieges. Wie während des Ersten Weltkrieges wurden auch diesmal die großen Glocken abgeholt (1942). Nach dem Krieg ging es Pfarrer Böser gesundheitlich nicht gut. Die Zahl der Katholiken stieg durch die Aufnahme der Heimatvertriebenen sprunghaft an; waren es 1944 noch 1350, so zählte man 1946 über 2300. Zum Glück bekam Pfarrer Böser vom August 1945 an einen Kaplan, der ihn in der Seelsorge unterstützte und mit vielen freiwilligen Helfern eine Sache in Angriff nahm, für die die Gemeinde schon 15 Jahre gespart hatte. Die Kirche bedurfte sowohl innen wie auch außen einer gründlichen Renovation.
 
Der Altarraum, der dunkelblau getüncht und mit goldenen Sternen übersät war, wurde heller. Die Decke bekam drei neue Gemälde: In der Vierung die Verklärung Christi, im Längsschiff das Martyrium des hl. Bartholomäus und über der Empore die hl. Cäcilia, ausgeführt durch den Kunstmaler Brischle aus dem Kinzigtal. Vor allem das erste Bild ist bei näherem Betrachten interessant: Den Hintergrund der Verklärungsszene bildet Sandhausen mit der Bartholomäuskirche links und Hopfenäckern rechts. Die Empore wurde erweitert, die Kirche bekam endlich eine Heizung. In brüderlichem Sinn stellte die evangelische Gemeinde während der Erneuerungsarbeiten ihr Gotteshaus für den sonntäglichen Gottesdienst zur Verfügung. Bei den politischen Wahlen zeigten sich die konfessionellen Spannungen dagegen deutlich.
 
Leider wurde Kaplan Friedel schon zu Beginn des Jahres 1947 versetzt. Vorbereitet durch einen Bazar im Saal »Zur Quelle« konnten 1951 mit starker Unterstützung der politischen Gemeinde neue Glocken angeschafft werden. Ein festlicher Zug führte die Glocken zusammen mit den neuen Glocken der evangelischen Gemeinde durch die Straßen von Sandhausen. Pfarrer Becker und Pfarrer Böser saßen zusammen auf einem Festwagen. Bei diesem Anblick sollen ein evangelischer und ein katholischer Nachbar ihren jahrelangen Streit begraben haben: »Wenn die beieinandersitzen, können wir das auch.« Pfarrer Böser sprach zur Glockenweihe den Wunsch aus: »daß der harmonische Zusammenklang der Glocken beider Kirchen immer mehr in dem EINEN HERRN CHRISTUS auch den Zusammenklang aller wahren evangelischen und katholischen Christen zur Folge haben möge.« Heute hängen diese 4 Glocken (f', as', b', des' mit 736 kg, 434 kg, 282 kg, 221 kg), die der heiligen Familie und Maria Goretti geweiht sind im Turm der Dreifaltigkeitskirche mit zwei weiteren Glocken (des' und es' mit 1605 und 1080 kg) 1968 ebenfalls von Abt Ohlmeyer geweiht und dem Patronat der beiden Kirchen gewidmet: Dreifaltigkeit und Bartholomäus.
 
1954 ist das Gründungsjahr der DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg) in Sandhausen. Von 1956 bis 1961 wirkte Pfarrer Erich Weber in Sandhausen. Die Zahl der Katholiken war wieder gewachsen auf in zwischen 2800. Unter Pfarrer Weber wird der Kindergarten St. Josef umgebaut und stark erweitert (1958). 1960 feierte Werner Heeg, heute Pfarrer in der Diözese Mainz, in Sandhausen Primiz. Das Fabrikgebäude hinter dem Kindergarten - noch von Pfarrer Böser gekauft - wird unter viel freiwilliger Mitarbeit zu St. Elisabeth. Damit hatte die Pfarrgemeinde einen großen Saal und die Jugend Räume.
 
Unter Pfarrer Helmut Manz (1961-63) konnte man das 100-jährige Bestehen der Pfarrgemeinde Sandhausen mit Missionsbischof Olbert aus Dossenheim festlich begehen. Auf seinen Nachfolger Pfarrer Karl Breunig (1963-72) warteten große Bauaufgaben.
 
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